Am 14.11.2025 fand in den Räumlichkeiten der Technischen Hochschule Mittelhessen wieder die traditionelle Barbaratagung statt. Die Tagung wird seit mehr als 60 Jahren durch den Förderkreis Gießerei- und Werkstofftechnik und dem Verein Deutscher Gießereifachleute, Landesgruppe Hessen, veranstaltet.
Bereits in der Eröffnung der Tagung wurde von Prof. Dr. Klaus Behler, Geschäftsführer des Förderkreises GW, und Dr. Wolfgang Lenz vom VDG betont, dass es trotz der aktuellen Berichte über Probleme in der Wirtschaft und den hessischen Hochschulen ein hohes Innovationspotenzial und z. T. erheblichen Mangel an höher qualifizierten Fachkräften in der Industrie, gerade bei kleinen und mittleren Unternehmen, gibt. Die auch in diesem Jahr wieder gewonnenen hochkarätigen Referentinnen und Referenten aus Industrie und Forschung waren zum großen Teil ehemalige AbsolventInnen der THM, bspw. der Studiengänge Physikalische Technik oder auch Elektrotechnik. Es wurde für die studentischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung darauf hingewiesen, dass die vertretenen Unternehmen zum größten Teil aus der Region im Umkreis von ca. 75 km um Friedberg kommen, dies erleichtert die Kontaktaufnahme und folgend den beruflichen Einstieg in führende Unternehmen unterschiedlicher Branchen.
In 8 Vorträgen zu unterschiedlichen Technologieschwerpunkten wurden den über 60 Tagungsgästen aktuelle und vielfältige Themen und Fragestellungen präsentiert, wie Methoden zur Dickenkontrolle von Wafern in der Halbleiterfertigung oder neueste Entwicklungen zur lasergestützten Beschichtung von Bremsscheiben, eine notwendige Innovation zur zukünftigen Einhaltung von Umweltvorschriften (EURO7-Abgasnorm).
Ebenfalls in Verbindung mit immer wichtigeren Aspekten zu Umweltanforderungen und Energieverbrauch befassten sich Vorträge mit dem Prozess- und Energiemanagement sowie dem Einsatz von Robotern in der Bearbeitung gusstechnischer Komponenten. Dass solche Aspekte wesentliche Entwicklungstreiber auch für den alltäglichen Bedarf sind, zeigte ein Vortrag zur Verwendbarkeit von recyceltem Aluminium für die Möbelindustrie. Hier können erhebliche Umweltschäden bspw. durch Reduktion des Bauxitabbaus im Amazonasgebiet vermieden werden, wenn spezifische legierungsbezogene Zusammenhänge genau beachtet werden.
Die industrielle, automatisierte Wägetechnik, bspw. in der Getränkeabfüllung oder dem Betrieb großer Vorratssilos in der verarbeitenden Industrie, ist mit komplexen Fragestellungen, sehr hohen technischen Anforderungen und digitaler Datenverarbeitung verknüpft. Dies wurde an verschiedenen Anwendungs- und Entwicklungsbeispielen verdeutlicht.
In der heutigen Fertigung, insbesondere bei generierenden Verfahren wie der Gießereitechnik, dienen umfassende Simulationsmöglichkeiten dazu, für die Herstellung von Komponenten, auch bei geringer Stückzahl, effizientere und sicherere Prozessabläufe zu erzielen. Hierdurch wird die Fertigung flexibler, anforderungsspezifischer und insgesamt sind erhebliche Energieeinsparungen möglich.
Abschließend wurde in einem Vortrag über völlig neue Ansätze zur faserbasierten Messtechnik in Bioprozessen (Pharma, Chemie, Biotechnologie) berichtet. Diese wurden von einem Start Up in der Wetterau entwickelt und mittlerweile in erfolgreiche Produkte für die Industrie umgesetzt.
Auch in diesem Jahr wurde die Tagung, die Qualität der Vorträge und die sich bietenden Möglichkeiten zum intensiven Austausch und Diskussion als sehr interessant und wichtig für die gesellschaftliche und industrielle Vernetzung angesehen. Beim anschließenden Ehemaligentreffen wurde der Austausch vertieft und neue Kontakte geknüpft. Dies zeigt, dass insbesondere die soziale Komponente von Veranstaltungen wie der Barbaratagung, als wichtige Plattform von den Teilnehmenden angesehen wird. Die Industrie, Verbände und Vereine brauchen engagierte und gut ausgebildete Fach- und Nachwuchskräfte, um ihre Zukunft zu sichern, den gesellschaftlichen Beitrag aufrechtzuerhalten und neue Impulse zu setzen.

